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Burg Neulengbach: Zufluchtsort vor der Türkenbelagerung

Wie ein Personenkomitee die mehr als 800 Jahre alte Burg revitalisieren und der Bevölkerung näher bringen möchte
 Tarih: 29-09-2019 15:43:37
Burg Neulengbach: Zufluchtsort vor der Türkenbelagerung

 

Von allen Himmelsrichtungen ist sie kilometerweit zu sehen: Die Burg Neulengbach. Auf einem Berg, der mitten in der Stadt steht, thront sie mittlerweile seit über 800 Jahren über Neulengbach. 1192 wurde die Burg erbaut, „damals bestand sie allerdings nur aus dem Bergfried, dem Nord-Westturm und einem Gebäude“, erklärt Lothar Rehse, stellvertretender Obmann des Personenkomitees Burg 2025. Sie wurde von den Hochfreien von Lengbach erbaut, die in ihrem Wappen die Farben Blau und Gelb hatten. „Es wird vermutet, dass daher die Landesfarben von Niederösterreich kommen, allerdings ist das nicht belegt“, sagt der Obmann des Komitees Matthias Zawichowski.

Wichtiger Zufluchtsort für Bevölkerung

In der Vergangenheit, vor allem zur Zeit der Türkenbelagerung, war sie ein wichtiger Zufluchtsort für die Bevölkerung von Neulengbach. „Die Türken durchstreiften die Stadt auf der Suche nach Nahrung. Sie brannten die Stadt komplett nieder. Die Gräfin Sidonia Palffy, die gemeinsam mit ihrem Mann Graf Johann Karl Pálffy von Erdöd das Schloss besaß, hat den Neulengbachern Schutz auf der Burg geboten“, erzählt Rehse.

Gemeinsam mit der Bevölkerung hat Sidonia Palffy die Burg erfolgreich gegen die Türken verteidigt – sie wurde nicht eingenommen. Die Gemäuer, die von einer mächtigen Wehrmauer umgeben sind, hat ihnen Schutz geboten. Die Wehrmauer, die vermutlich um 1500 erbaut wurde, weist noch heute eine einzigartige Besonderheit auf. Mit ihrer Länge von 540 Metern ist sie die längste und einzige bis heute noch vollständig erhaltene in Niederösterreich.

Als eine weitere Besonderheit der Burg beschreibt die Historikerin Hedy Fohringer „das harmonische Gesamtgebilde, das sich einerseits durch die Geschlossenheit ergibt, andererseits durch eine fließende Erschließung der gesamten Burganlage. Von der Eingangssituation über den spiralförmigen Weg bis zur Hochburg mit dem Renaissance-Innenhof – alle Gebäude bilden mit der Burgmauer eine runde Einheit. So etwas findet man sonst nirgends.“

Nachdem die Besitzer der Burg Neulengbach immer wieder wechselten, befindet sie sich heute in Privatbesitz. 1962 hat der Unternehmer Martin Wakonig die Burg in einem Versteigerungsverfahren gekauft. Derzeit ist sie in Besitz seines Sohnes Bruno Wakonig.

Um Ideen für die Nutzung der Burg zusammenzutragen und auch umzusetzen, wurde vor einigen Jahren das Personenkomitee „Burg 2025“ gegründet. Bereits im Jahr 2016 veranstaltete das Komitee einen Ideenwettbewerb, um Konzepte für eine nachhaltige wirtschaftliche Nutzung zu sammeln. Als Sieger ging dabei das Konzept des „Slow Castle“ hervor. Dabei geht es konkret um die Entschleunigung – um angemessene Geschwindigkeiten und Veränderungen.

Burg als Ort des kreativen Zusammenseins

„Um die Burg zu revitalisieren und Ideen umzusetzen, braucht es Zeit und Geduld – und natürlich auch Geld. Das ist ein langwieriger Prozess“, sagt Zawichowski. Bereits zwei Mal veranstaltete das Komitee Veranstaltungen auf der Burg, die ein voller Erfolg waren. „2017 veranstalteten wir das „Future Open Lab“, bei dem die Besucherinnen und Besucher unter anderem selbst kleine Roboter bauen konnten. 2018 gab es auf der Burg die „Speicher/Werk/Stadt“, bei der das Thema Energiespeicherung im Mittelpunkt stand. Da konnten wir über 500 Besucherinnen und Besucher begrüßen“, freut sich Zawichowski. Für 2020 ist bereits das nächste Event geplant.

Die Burg selbst ist nur bei Veranstaltungen und mit Führungen für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Ziel des Personenkomitees ist es, die Burg wieder näher an die Bevölkerung zu bringen. „Die Burg soll als Inkubationsraum dienen und ein Ort des Treffens und kreativen Zusammenseins sein. Wir wollen regionale Unternehmer auf die Burg bringen. Wir kooperieren dafür mit der Stadtgemeinde Neulengbach, um für die Region positive wirtschaftliche Impulse herzustellen“, erklärt Zawichowski./kurier.at

 

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